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Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will ein Recht auf Homeoffice gesetzlich verankern. Grüne und FDP finden das gut, wobei der Arbeitgeberverband diesem Plan nicht zustimmt. Nach seinem Plan, den Heil bis Herbst vorlegen möchte, könnten Arbeitnehmer bei Bedarf ganz von zu Hause aus arbeiten oder ein oder zwei Tage in der Woche. Außerdem sollen die „fairen Regeln“ verhindern, dass „sich die Arbeit zu sehr ins Private frisst“. Ergänzend beteuert Heil: „wir wollen mehr Homeoffice ermöglichen, aber nicht erzwingen“.

Homeoffice für 40% aller Beschäftigten?

Laut einer im Jahr 2019 geführten DIW-Studie könnten 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland von zu Hause aus arbeiten. Nur zwölf Prozent taten das vor der Corona-Krise. Diese Zahl sei nun Schätzungen zufolge auf 25 Prozent aller Beschäftigten gestiegen. Dem arbeitsmarktpolitischen Sprecher Johannes Vogel (FDP) zufolge solle der Rechtsrahmen für Homeoffice festgelegt werden. Die Niederlande machen es seit fünf Jahren vor und zeigen, dass die Modernisierung der digitalen Arbeitswelt im Hinblick auf Homeoffice zur Zufriedenheit aller gelingen kann. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen Katrin Göring-Eckhart befürwortete das Vorhaben und ergänzte, dass jeder den Anspruch auf Homeoffice haben soll.  Es sollte jedoch ein schnelles Internet geben, damit das „Arbeiten von zu Hause überhaupt technisch reibungslos möglich ist“. Ebenfalls sprach der Finanzminister Olaf Scholz (SPD) für Heils Vorschlag und pries die Vorzüge von Homeoffice an. Der „Bild am Sonntag“ sagte er: „Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie viel im Homeoffice möglich ist – das ist eine echte Errungenschaft, hinter die wir nicht mehr zurückfallen sollten.“

Die Vorstöße in Richtung „mobiles Arbeiten“ wurden bisher von Seiten der SPD und der Union mit dem Argument abgelehnt, dass Angestellte und Unternehmen nicht Regelungen, sondern mehr Flexibilität benötigen. Auf der anderen Seite lehnen die Arbeitgeber dieses Vorhaben von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ab. Nach Steffen Kampeter, dem Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, sei es aus der Zeit gefallen, die politischen Ladenhüter aus der Zeit vor dem größten Wirtschaftsrückgang, wieder zu erwecken.  Anstatt der Arbeitgeber mit mehr Reglungen und Vorgaben zu belasten, sollte es mehr Flexibilität durch Förderungen geben.

Niederlande machen vor, wie Homeoffice geht!

Ein Recht auf Heimarbeit wie in den Niederlanden gibt es in Deutschland nicht. Die Entscheidung liegt momentan bei den Arbeitgebern, ob sie den Angestellten diese gewähren oder ohne Begründung ablehnen.  Falls das neue Gesetz von Heil durchkommt, würde sich dieses ändern. Bei einem gesetzlich verankerten Rechtsanspruch auf Homeoffice wären die Unternehmen verpflichtet, dem Wunsch der Arbeitnehmer von zu Hause zu arbeiten, zuzustimmen. Das Gesetz würde nicht nur den Arbeitnehmern zugutekommen, sondern auch den Arbeitgebern, die aufgrund steigender Zufriedenheit seitens Arbeitnehmer erhöhte Produktivität erwerben würden.  Außerdem entfielen die krankheitsbedingten Ausfälle, die sich in einem Großraumbüro durch den engen Kontakt mit angeschlagenen Kollegen ergeben. Wird im Homeoffice gearbeitet, melden sich Arbeitnehmer weniger krank, da mit kleinen Erkrankungen wie Schnupfen o.ä.  von zu Hause aus gearbeitet werden kann, ohne dass man einen stressigen Arbeitsweg auf sich nimmt.

Homeoffice oder Office?

Auf der anderen Seite könnten die Arbeitnehmer von flexiblen Arbeitszeiten profitieren, sich die Arbeitswege ersparen und die Pausen effektiver nutzen. Grundsätzlich kann Homeoffice sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Arbeitnehmer zu einigen Nachteilen führen. Arbeitnehmer in Homeoffice haben oft keinen Kontakt zu ihren Kollegen und sind sozial isoliert. Zudem gestaltet es sich schwierig, im privaten Umfeld Privatleben und Beruf voneinander getrennt zu halten.

Für die Arbeitgeber bedeutet Homeoffice u.a. Kontrollverlust. Die Arbeitszeiterfassung kann schwer kontrolliert werden. Hinzu kommen noch datenschutzrechtliche Aspekte, sodass es sich schwierig gestaltet, die Datensicherheit auf optimalem Niveau zu gewährleisten. Ob Homeoffice gut oder schlecht für Arbeitnehmer ist, hängt vom Einzelfall ab. Welche Risiken und Chancen sich schließlich offenbaren, hängt maßgeblich davon ab, wie Homeoffice in Unternehmen umgesetzt wird. Wir unterstützen die Einrichtung von Home-Office-Arbeitsplätzen, da es grundsätzlich die Flexibilität in einem Unternehmen erhöht. Einen Rechtsanspruch daraus zu erstellen, ist ein weiterer Eingriff in den Markt und wird gerade kleinere Unternehmen vor große Herausforderungen stellen.

Quellennachweis:

ausgewählte Artikel:
Tagesschau
Die Welt
Arbeitsrechte.de
Frankfurter Allgemeine Zeitung

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